Google AdSense warf der „Taz“ eine Verletzung ihrer „Contentrichtlinien“ vor und verlangte die Abänderung eines Artikels bezüglich des Rechtsstreits zwischen Google und YouTube-MP3.org.

Die Taz, ausgeschrieben Die Tageszeitung, ist eine linke Tageszeitung mit großer Onlinerubrik, finanziert durch die eigene Spendenkampagne „taz.zahl ich“.

Es begann mit einem Artikel der Taz über den Rechtsstreit zwischen Google und YouTube-MP3.org:

Hierbei verklagt Google die Plattform YouTube-MP3.org, welche es den Nutzern ermöglicht, die Tonspur eines YouTube Videos herunterzuladen: Der Dienst lädt das entsprechende YouTube Video als temporäre Kopie auf ihre Server herunter und konvertiert dieses in eine MP3 Datei. Anschließend kann der Nutzer diese Datei herunterladen.

Bereits mehrere Musikunternehmen waren in Deutschland und den USA gegen YouTube-Mp3.org vor Gericht gezogen, hatten aber keinen oder nur mäßigen Erfolg. (siehe hier) Nun versuchte auch Google, den Dienst mit Berufung auf die YouTube Nutzungsrichtlinien stilllegen zu lassen, doch auch dieser Versuch scheiterte vor Gericht. Nach aktuellem Stand scheinen YouTube – mp3 Konverter wie YouTube-Mp3.org durch das Recht auf Privatkopie abgesichert zu sein.

Die Taz berichtete über diese rechtliche Auseinandersetzung und verlinkte in ihrem Artikel auf YouTube-Mp3.org. Nach eigener Aussage meldete sich Google AdSense bei  der,  für die Vermarktung der Werbeplätze der Taz zuständige Firma „Yieldlove GmbH“, und forderte mit Link auf den wohlgemerkt fünf Jahre alten Artikel der Taz:

„Nehmen Sie umgehend Änderungen an Ihrer Website vor, sodass sie wieder den AdSense-Programmrichtlinien entspricht. […] Im Fall von weiteren Verstößen ist es möglich, dass wir die Anzeigenschaltung auf der oben genannten Website deaktivieren. Nehmen Sie sich daher umgehend Zeit dafür, Ihren Content zu überprüfen und sicherzustellen, dass er unseren Richtlinien entspricht.“

Desweiteren heißt es:

„Wenn Sie eine Benachrichtigung erhalten haben, weil der Content auf einer Seite gegen die Richtlinien verstößt, entfernen Sie entweder den betreffenden Content von Ihrer Website oder entfernen Sie Anzeigen von den Seiten mit diesem Content.“

Laut den „AdSense-Programmrichtlinien“ ist unter anderem folgendes verboten:

  • Pornografischer oder nur für Erwachsene bestimmter Content
  • Gewaltverherrlichender Content
  • Hassreden
  • Obszönitäten
  • Content in Bezug auf Hacking und Cracking
  • Software oder anderer Content, der gegen die Richtlinie für unerwünschte Software verstößt
  • Content zum Verkauf von Bier oder hochprozentigen alkoholischen Getränken
  • Content zum Verkauf oder zur Verbreitung von Unterrichtsmaterialien oder Studienarbeiten

(Die vollständige Liste finden Sie hier)

Dass all diese Punkte nicht auf den Artikel der Taz zutreffen, dürfte jedem klar sein. Offenbar scheint ein Google Algorithmus diese Mail wegen des Links auf YouTube-Mp3.org versandt haben. Auf Anfragen von heise.de bestätigte Google, dass die Anfrage automatisch erstellt worden war, Google nach manueller Überprüfung den Richtlinienverstoß jedoch als unzutreffend deklarierte.

Fazit

Zwar hat sich dieser Vorfall als Versehen entpuppt, doch zeigt er auch eindrucksvoll wie viel Macht Google, insbesondere mit AdSense und der Suchmaschine, auch auf den freien Journalismus hat. Wir müssen aufpassen, dass Konzerne wie Google den freien Journalismus nicht weiter beeinflussen und steuern.

 

Titelbild: taz.de