Künstliche Intelligenzen auf dem Vormarsch?

Neuronale Netze, insbesondere aber künstliche Intelligenzen, sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Nachrichten über erfolgreiche Tests mit künstlichen Intelligenzen erreichen uns. Selbstfahrende Autos, sowie Sprach-& Bilderkennung sind hierbei erst der Anfang. Szenen die wir aus futuristischen Filmen wie Terminator kennen, rücken in fast greifbare Nähe. Bereits jetzt können Entwickler künstlicher Intelligenzen nicht immer nachvollziehen, Warum künstliche Intelligenzen Wie entscheiden.

Schon verhältnismäßig lange existiert der Gedanke künstlicher Intelligenzen. Während Forscher & Entwickler Anfangs versuchten, “Intelligenz” im gesamten abzubilden, wird heute vor allem versucht, die komplexen Prozesse des menschlichen Gehirns herunterzubrechen, nachzubilden und so ganz neue Möglichkeiten für die Technik & Wissenschaft zu eröffnen. Ein vielversprechender Ansatz sind hier beispielsweise Neuronale Netze: Ein Computerprogramm bildet die Neuronen des menschlichen Gehirns nach.  Bei älteren Methoden, beispielsweise die, die beim Schachcomputer Deep Blue genutzt wurde (Spiele großer Schachmeister wurden analysiert, Bedingungen und Parameter festgelegt und gewichtet), war es einfach möglich, nachzuvollziehen, wie das System zum errechneten Resultat gekommen ist. Man wusste, dass der Schachcomputer Millionen Stellungsmöglichkeiten errechnet hatte und aufgrund festgelegter Parameter genau diesen Zug wählte.

Bei den heutigen neuronalen Netzen ist es zum Teil unmöglich, oder zumindest sehr aufwendig, nachzuvollziehen, wie das Ergebnis zustande gekommen ist. Ein neuronales Netz lässt sich gut als “Black-box” betrachten: Wir kennen lediglich die Eingangssignale und das Ergebnis. Hinter den Eingangssignalen beginnt jedoch das mitunter riesige Netz aus künstlichen Neuronen.

Ein Beispiel: Seit September 2016 setzt Google ein neuronales Netzwerk im Google Translator-System ein, um die Übersetzungsqualität zu verbessern. Es zeigte sich jedoch, dass das neuronale Netzwerk auch zwischen Sprachen übersetzen kann, auf die es nie trainiert wurde bzw. die es nicht direkt übersetzen kann. Laut Google weist eine durchgeführte Analyse darauf hin, dass das neuronale Netzwerk eine Art “Universalsprache” entwickelt hat.  [note]Quelle: https://arxiv.org/abs/1611.04558, weitere Informationen auf Spektrum.de[/note]

Doch können künstliche Intelligenzen Ihren eigenen Funktionsumfang erweitern und selbstständig arbeiten?

Heute sicher noch nicht, jedoch schaffte es erst vor einigen Tagen ein Team von Google, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen, welche  eine Software entwickelte, die die Qualität unterschiedlicher Sprachmodellierungen auswertet und vergleicht. Das Ergebnis ist besser als von Menschen geschriebener Code. [note]Quelle: https://motherboard.vice.com/de/article/ae7wwa/google-forscher-erschaffen-ki-die-selbststndig-ki-programmieren-kann[/note] Es zeigt sich: Künstliche Intelligent kann Software – sogar eine andere KI – schreiben.

Lassen wir uns doch auf ein kurzes Gedankenspiel ein: Was wäre, wenn diese künstliche Intelligenz anfängt ihren eigenen Programmcode zu verändern? Oder wenn die KI Duplikate seiner selbst erzeugt? Könnte die künstliche Intelligenz damit bösen Einfluss auf unsere Welt haben? Auch hier muss man sagen, dass es aktuell unwahrscheinlich ist, aus einem simplen Grund: Künstliche Intelligenzen können zwar “Aufgaben” erledigen, sind sich selbst aber (noch) nicht bewusst. Erst wenn sich künstliche Intelligenzen selbst bewusst sind, könnten sie sich eventuell selbst ein Ziel setzen.

Jürgen Schmidhuber, deutscher Informatiker und Künstler, schrieb zum Thema Bewusstsein künstlicher Intelligenzen: 

Das  erste Netz, der Steuermechanismus, wird dafür belohnt, dass es Aktionen ausführt, die zu Daten führen, die das Weltmodell verbessern, das sich auch auf ihn selbst bezieht (da steckt das „Bewusstsein“ drin). So kann ein Roboter beispielsweise lernen, dass er Radmotoren hat, und wie man sie steuert, ohne schmerzhaft anzuecken, so dass er später drei Mal am Tag zur Ladestation fahren kann, wenn sich der „Hunger“ meldet – also der Batteriestand zu niedrig wird. [note]Quelle: Jürgen Schmidhuber im Interview mit “wiwo”[/note]

In den nächsten Jahren bis Jahrzehnten werden wir uns jedoch intensiv mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir mit den wachsenden Fähigkeiten moderner künstlicher Intelligenzen umgehen wollen. Denn sonst werden künstliche Intelligenzen nicht nur Arbeitsplätze gefährden, sondern auch immer “menschlicher”. Wie viele Freiheiten lassen wir künstlichen Intelligenzen – die wirklich intelligent sind? Benutzen wir sie nur als Werkzeug oder lassen wir sie ganze Bereiche übernehmen?

Keanu Dölle

Ich bin seit einigen Jahren im Journalismus aktiv und befasse mich privat mit Elektronik, Informatik und Computerspielen. Ich besitze viel technisches How-To und teile mein Wissen gerne mit unseren Lesern.

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