Auf den ersten Blick mutet „Little Nightmares“ wie ein handelsüblicher Platformer an, den die ganze Familie zusammen auf dem heimischen Sofa genießen kann. Wer allerdings kein Interesse daran hat, dass die eigenen Kinder Traumata davontragen, wird diese wohl eher nicht mit diesem Spiel beglücken. „Little Nightmares“ richtet sich vor allem an jugendliche und erwachsene Spieler, welche der Entwickler dazu einlädt, sich Kindheitsängsten zu stellen und diese zu überwinden. 

Auf der Gamescom konnte das schwedische Entwicklerteam von „Tarsier Studios“ für ihr im Frühjahr 2017 erscheinende Horror-Spiel „Little Nightmares“ den Gamescom Award für das beste Indie Game mit nach Hause nehmen. Große Anerkennung somit für ein Studio, das den meisten Spielern wohl noch unbekannt ist. Die Schweden entwickelten zuvor vor allem DLCs für den Puzzle-Platformer „Little Big Planet“,  sorgten allerdings letztes Jahr mit ihrem PS4-Exklusivtitel „Tearaway Unfolded“ für Aufsehen in der Spiele-Community. Bestens vertraut mit Jump’n’Runs und Platformer machten sie sich 2014 an die Programmierung eines Spieles mit dem Arbeitstitel „Hunger“, dessen Entwicklung allerdings weitestgehend im Dunkeln verlief, bis Publisher Bandai Namco im August diesen Jahres das Spiel unter dem neuen Titel „Little Nightmares“ ankündigte.

„Little Nightmares“ steht zweifelsohne in der Tradition von  Spielen wie „Limbo“. Durch sein düsteres und bedrückendes Setting zeigte man damals eindrucksvoll, dass das Genre des Jump’n’Runs oder Platformers nicht Synonym mit fröhlichen Familienspielen ist. In die gleiche Kerbe schlägt „Little Nightmares“. Äußerlich mag das Spiel harmlos anmuten, doch bereits die ersten Minuten des Spieles, die Interessierte in einer Demo auf der Gamescom anspielen konnten zeigen: Wir haben es hier mit einem ganz anderen Kaliber zu tun. Die Entwickler machen keinen Hehl daraus, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Der Spieler soll sich seinen Kindheitsängsten stellen. Wem ist es nicht schon einmal passiert: Man schreckt nachts schweißgebadet auf, hektisch sieht man sich um. Man atmet tief ein und aus. Es ist alles in Ordnung, es war nur ein Albtraum. Gerade in der Kindheit sind solche Erlebnisse besonders intensiv und bleiben vielen daher noch lange im Gedächtnis. Die ausgeprägte Vorstellungskraft des Kindes entwickelt eine Vielzahl an Grusel-Szenarien, die es nachts nicht schlafen oder aus dem Schlaf aufschrecken lassen. Vom Monster und dem Bett, über die Gefahren des dunklen Kellers bis hin zum Clown der einem Böses will. Viele dieser Ängste lösen sich im Laufe der Zeit im Nichts auf, einige jedoch bleiben. „Little Nightmares“ lädt den Spieler dazu ein, sich diesen Ängsten zu stellen. Noch ist völlig unklar, auf was die Entwickler genau anspielen. Sicher scheint jedoch, dass der Indie-Titel dem Spieler auf mehr oder minder subtile Art und Weise gruseln wird. Gore und Splatter wird ausbleiben aber meistens ist es auch nicht diese Art von Horror, die den Spieler oder Zuschauer wirklich gruselt.

In „Little Nightmares“ spielen wir Six, ein kleines Mädchen, das an einem mysteriösen Ort, genannt „the mow“, dem Schlund tief unter dem Ozean, eingesperrt ist und ihren Weg hinausfinden muss.  Die geringe Körpergröße unserer Protagonistin erlaubt es zwar sich geschickt an allen möglichen Orten zu verstecken oder durch Öffnungen und Schächte hindurchzukriechen, allerdings ist bereits ein Türknauf ein unübwindbares Hindernis für die kleine Six. Aus der Sicht eines kleinen Kindes müssen wir nun kreative Wege finden und fortzubewegen. Objekte verschieben, sich an Möbeln hochhangeln. Die gekonnte Fortbewegung wird zum Hauptspielprinzip von „Little Nightmares“.  Der Weg von einem Raum in den anderen ist dunkel, nass und bedrückend. Nur mit einem Feuerzeug ausgestattet sind wir den Gefahren, die in der Dunkelheit lauern schutzlos ausgeliefert.  Gegner können wir nicht angreifen, wir müssen uns vor ihnen verstecken oder vor ihnen fliehen.

„Little Nightmares“ schafft es mit seiner Tim Burton-esken, fantasievoll-schaurigen Optik ein Optimum an Spannung zu erzeugen, die man von einem Platformer nicht erwartet hätte.  Die 2,5D-Grafik des Spieles verleiht dem Spiel im Gegensatz zu anderen Vertretern dieses doch recht innovationsarmen Genres, eine gewisse Tiefe. Dem Spiel ist anzumerken wie viel Herzblut in diesem liebevollen und zugleich erschreckend grusligem Indie-Titel steckt.

Zu viel wollen die Entwickler nicht verraten. Die Demo des Spieles dauert nur etwa eine Viertelstunde. Verständlich, denn ein Horrorfilm ist schließlich auch nur noch halb so spannend, wenn man bereits alle Schreckmomente kennt. Welche Gruselgestalten uns im Laufe des Spieles noch über den Weg laufen, wie uns das Spiel erschrecken will und ob die Spannung über die gesamte Spieldauer aufrecht erhalten werden kann, wird sich bei Release im Frühling zeigen.